Anschreiben: Aufbau und Formulierungsbeispiele
Der Lebenslauf zeigt, was Sie gemacht haben. Das Anschreiben erklärt, warum Sie genau diese Stelle wollen und warum das Unternehmen Sie einladen sollte. Laut Bundesagentur für Arbeit gehört es zu fast jeder Bewerbung und kann über Zu- oder Absage mitentscheiden. Hier finden Sie den bewährten Aufbau, konkrete Formulierungen und ein Beispiel, das Sie an Ihre Situation anpassen können.
Bevor Sie schreiben: drei Gründe und drei Belege
Die meisten schwachen Anschreiben scheitern nicht an der Sprache, sondern an der Vorbereitung. Die Bundesagentur für Arbeit empfiehlt, sich vorab über das Unternehmen zu informieren und Schnittmengen zwischen den eigenen Stärken und den geforderten Qualifikationen zu suchen.
Eine einfache Methode: Notieren Sie drei Gründe, warum Sie zu diesem Arbeitgeber wollen, und drei Anforderungen aus der Anzeige, für die Sie einen konkreten Beleg haben. Ein Beleg ist ein Projekt, eine Aufgabe oder ein Ergebnis, kein Adjektiv. Wer „teamfähig“ schreibt, behauptet etwas. Wer beschreibt, wie er mit drei Abteilungen eine Messe organisiert hat, zeigt es.
Bei offenen Fragen lohnt sich ein kurzer Anruf bei der Ansprechperson aus der Stellenanzeige. Das Gespräch liefert Ihnen oft einen Aufhänger für den Einstieg.
Der Aufbau im Überblick
Die Bundesagentur für Arbeit beschreibt folgende Bestandteile, die sich auch in Österreich und der Schweiz durchgesetzt haben:
- Absender: Name, Anschrift, Telefonnummer, seriöse E-Mail-Adresse
- Empfänger: Unternehmen, Ansprechperson, Anschrift
- Ort und Datum: rechtsbündig, im Format TT.MM.JJJJ
- Betreff: Stellentitel aus der Anzeige, gegebenenfalls mit Kennziffer
- Anrede: möglichst persönlich, etwa „Sehr geehrte Frau Meyer,“
- Einstieg: drei bis fünf Zeilen zu Motivation und Bezug zum Unternehmen
- Hauptteil: etwa acht Zeilen zu Qualifikationen, Erfahrungen und Stärken mit Belegen
- Bezug zum Unternehmen: etwa zwei Zeilen, warum Sie zum Arbeitgeber passen
- Schluss: ein Satz mit dem Wunsch nach einem Gespräch
- Grußformel und Unterschrift: „Mit freundlichen Grüßen“, darunter Ihr Name
Insgesamt bleibt das Anschreiben auf einer Seite. In der Schweiz heißt es meist Motivationsschreiben, der Aufbau ist aber sehr ähnlich.
Der Einstieg: Formulierungsbeispiele
„Hiermit bewerbe ich mich um die Stelle als …“ steht in unzähligen Bewerbungen und sagt nichts, was der Betreff nicht schon sagt. Die Bundesagentur für Arbeit rät ausdrücklich davon ab. Bessere Varianten:
Mit Bezug zu einem Gespräch:
„Vielen Dank für das freundliche Telefonat am 14. Oktober. Ihre Schilderung, wie Ihr Team die Auftragsabwicklung digitalisiert, hat mein Interesse an der Position als Sachbearbeiter Vertriebsinnendienst noch verstärkt.“
Mit Bezug zur eigenen Erfahrung:
„Seit vier Jahren betreue ich in der Lohnbuchhaltung eines Steuerbüros rund 30 Mandanten aus dem Handwerk. Diese Erfahrung möchte ich künftig in der Personalabteilung eines Industrieunternehmens einsetzen, und Ihre Ausschreibung passt genau dazu.“
Für Berufseinsteiger:
„Während meines Praxissemesters im Controlling habe ich gemerkt, wie sehr mich die Arbeit mit Kennzahlen reizt. Ihr Traineeprogramm bietet mir die Möglichkeit, dieses Interesse in mehreren Fachbereichen zu vertiefen.“
Der Hauptteil: Anforderungen mit Belegen verbinden
Im Hauptteil greifen Sie zwei bis drei zentrale Anforderungen aus der Stellenanzeige auf und belegen sie mit Beispielen. Die Bundesagentur für Arbeit empfiehlt, sachlich, positiv und mit Verben zu formulieren und Eigenschaften nicht nur aufzuzählen.
Vorher:
„Ich bin sehr kommunikativ, belastbar und teamfähig. Außerdem arbeite ich strukturiert und selbstständig. Ich würde mich freuen, meine Fähigkeiten bei Ihnen einbringen zu können.“
Nachher:
„In meiner aktuellen Position koordiniere ich die Terminplanung für sechs Außendienstmitarbeitende und bin erste Ansprechpartnerin für Kundenanfragen per Telefon und E-Mail. Als im vergangenen Jahr zwei Kolleginnen gleichzeitig ausfielen, habe ich die Vertretung übernommen und gemeinsam mit der Teamleitung eine Prioritätenliste eingeführt, mit der wir offene Anfragen innerhalb einer Woche abgearbeitet hatten. Mit SAP SD und MS Dynamics arbeite ich täglich.“
Die zweite Fassung enthält dieselben Eigenschaften wie die erste, belegt sie aber mit einer Situation. Ein Personaler kann sich vorstellen, wie Sie arbeiten.
Weitere Formulierungen für den Hauptteil:
- „In meiner Rolle als … habe ich …, wodurch …“
- „Besonders wichtig war mir dabei …“
- „Diese Erfahrung bringe ich in Ihre Aufgabe … ein.“
- „Ihre Anforderung … erfülle ich durch …“
Vermeiden Sie Konjunktive wie „würde“, „könnte“ und „möchte“ in gehäufter Form. Die Bundesagentur für Arbeit weist darauf hin, dass sie wenig selbstbewusst wirken. „Ich bringe … mit“ klingt überzeugender als „Ich würde … mitbringen“.
Warum gerade dieses Unternehmen
Viele Bewerber vergessen diesen Teil oder füllen ihn mit Allgemeinplätzen wie „Ihr Unternehmen ist ein führender Anbieter“. Nennen Sie stattdessen etwas, das Sie recherchiert haben und das tatsächlich für Sie zählt: ein Produkt, eine Arbeitsweise, ein Standort, ein Weiterbildungsangebot.
„Dass Ihre Entwicklungsabteilung eng mit der Fertigung zusammenarbeitet und Ingenieure regelmäßig an der Linie sind, entspricht genau der Arbeitsweise, die ich in meinem bisherigen Job schätze.“
Wie Sie diese Frage im Gespräch beantworten, lesen Sie im Beitrag „Warum wollen Sie bei uns arbeiten?“.
Der Schluss
Ein kurzer, selbstbewusster Satz genügt:
„Ich freue mich darauf, Sie in einem persönlichen Gespräch oder per Video von mir zu überzeugen.“
Wird nach Gehaltsvorstellung oder Eintrittstermin gefragt, nennen Sie beides im Schlussteil. Ein Beispiel: „Meine Gehaltsvorstellung liegt bei 52.000 Euro brutto jährlich. Ich kann die Stelle unter Berücksichtigung meiner Kündigungsfrist zum 1. Februar antreten.“ Wie Sie eine realistische Zahl ermitteln, erklärt unser Artikel zur Gehaltsvorstellung in der Bewerbung.
Ein komplettes Beispiel
Bewerbung als Projektassistenz Bauprojekte, Kennziffer 2026-114
Sehr geehrte Frau Krüger,
Ihr Hinweis im Telefonat, dass die Projektassistenz bei Ihnen eng in die Bauleitung eingebunden ist, hat mich überzeugt: Genau diese Nähe zur Baustelle suche ich nach drei Jahren im Büro eines Architekturbüros.
Dort koordiniere ich derzeit Termine und Unterlagen für bis zu vier parallel laufende Wohnbauprojekte. Ich erstelle Protokolle von Baubesprechungen, verfolge offene Punkte bis zur Erledigung und halte den Kontakt zu Fachplanern und Behörden. Für die Rechnungsprüfung habe ich eine Übersicht eingeführt, mit der die Projektleitung jederzeit den Stand der Nachträge sieht. Mit AVA-Software und MS Project arbeite ich routiniert.
Ihr Schwerpunkt auf Sanierungen im Bestand reizt mich besonders, weil ich mich berufsbegleitend in Bauen im Bestand weiterbilde.
Ich freue mich auf ein Gespräch, in dem ich Ihnen zeigen kann, wie ich Ihr Team entlasten kann.
Mit freundlichen Grüßen Lena Hoffmann
Sonderfälle: Initiativbewerbung und Quereinstieg
Initiativbewerbung: Ohne Stellenanzeige fehlt der Bezugspunkt. Umso wichtiger ist es, im Betreff und im ersten Satz klar zu sagen, für welchen Bereich Sie sich interessieren. „Initiativbewerbung im Bereich Einkauf“ ist besser als „Initiativbewerbung“. Ein Anruf vorab, um die richtige Ansprechperson zu finden, erhöht die Chance, dass Ihr Schreiben überhaupt bei jemandem landet, der darüber entscheiden kann.
„Ihr Unternehmen baut gerade einen zweiten Logistikstandort in Erfurt auf. Für diesen Aufbau biete ich Ihnen sechs Jahre Erfahrung in der Disposition und die Einführung eines Lagerverwaltungssystems, die ich bei meinem jetzigen Arbeitgeber verantwortet habe.“
Quereinstieg: Wer die Branche oder den Beruf wechselt, muss im Anschreiben eine Brücke bauen. Erklären Sie in ein bis zwei Sätzen, warum Sie wechseln, und konzentrieren Sie sich dann auf übertragbare Fähigkeiten. Rechtfertigen Sie sich nicht für Ihren bisherigen Weg.
„Nach acht Jahren als Grundschullehrerin möchte ich meine Erfahrung im Erklären und Strukturieren von Lerninhalten in die betriebliche Weiterbildung einbringen. In den letzten zwei Jahren habe ich an meiner Schule die Einarbeitung neuer Kolleginnen und Kollegen koordiniert und dafür ein digitales Einführungsprogramm entwickelt.“
Unterschrift und Versand
Bei der Bewerbung per Post unterschreiben Sie handschriftlich. Per E-Mail fügen Sie eine eingescannte Unterschrift als Bild ein. In Online-Formularen mit Textfeldern ist eine Unterschrift meist weder möglich noch nötig. Manche Online-Bewerbungen verzichten ganz auf das Anschreiben, informieren Sie sich vorher.
In Österreich empfiehlt das AMS bei E-Mail-Bewerbungen, das Wichtigste zusätzlich in zwei bis drei Sätzen im Mailtext zusammenzufassen.
Wenn Sie eine KI als Hilfe nutzen: Die Bundesagentur für Arbeit rät, den Vorschlag nur als Grundlage zu verwenden und das Anschreiben selbst zu schreiben. Personaler lesen Hunderte Schreiben und erkennen austauschbare Texte schnell.
Checkliste
- Ansprechperson namentlich angesprochen, Name richtig geschrieben
- Betreff mit genauem Stellentitel und Kennziffer
- Kein „Hiermit bewerbe ich mich“
- Zwei bis drei Anforderungen mit konkreten Beispielen belegt
- Mindestens ein Satz, der nur auf dieses Unternehmen zutrifft
- Wenige Konjunktive, aktive Verben
- Gehalt und Eintrittstermin genannt, falls verlangt
- Eine Seite, gleiche Schrift und Kopfzeile wie im Lebenslauf
- Von einer zweiten Person gegengelesen
Passend dazu finden Sie in unserem Beitrag Lebenslauf erfolgreich schreiben Hinweise, wie Sie Anschreiben und Lebenslauf aufeinander abstimmen. Und falls nach der Bewerbung ein Online-Test folgt, bereitet Sie das Bewerbungstraining mit Interviewfragen und allen Tests gezielt darauf vor.
Häufige Fragen
Wie lang sollte ein Anschreiben sein?
Eine Seite. Die Bundesagentur für Arbeit empfiehlt als Richtwert drei bis fünf Zeilen für den Einstieg und etwa acht Zeilen für den Hauptteil.
Darf ich mit „Hiermit bewerbe ich mich“ beginnen?
Besser nicht. Die Formulierung ist eine der bekanntesten Floskeln und verschenkt den ersten Satz. Steigen Sie mit Ihrer Motivation oder einem konkreten Bezug zur Stelle ein.
Was schreibe ich, wenn kein Ansprechpartner genannt ist?
Versuchen Sie zuerst, den Namen über die Website oder einen kurzen Anruf herauszufinden. Gelingt das nicht, ist „Sehr geehrte Damen und Herren“ in Ordnung.
Brauche ich immer ein Anschreiben?
Nein. Manche Online-Bewerbungen verzichten darauf oder bieten nur ein Textfeld. Lesen Sie die Stellenanzeige genau und halten Sie sich an die Vorgaben des Arbeitgebers.
Muss ich das Anschreiben unterschreiben?
Bei der Bewerbung per Post unterschreiben Sie handschriftlich. Per E-Mail können Sie eine eingescannte Unterschrift einfügen. In Online-Formularen ist eine Unterschrift meist weder möglich noch nötig.
Über den Autor
Ingmar van Maurik ist Spezialist für die Vorbereitung auf Einstellungstests und Vorstellungsgespräche und unterstützt Bewerberinnen und Bewerber dabei, in Auswahlverfahren besser abzuschneiden.
