Karriereplan erstellen: Anleitung mit Beispiel
Viele Karrieren entwickeln sich nach dem Zufallsprinzip: Ein Angebot kommt, man sagt zu, und fünf Jahre später fragt man sich, wie man eigentlich hier gelandet ist. Ein Karriereplan verhindert nicht, dass sich Dinge ändern. Er sorgt aber dafür, dass Sie Entscheidungen bewusst treffen und Chancen erkennen, wenn sie auftauchen. Hier lesen Sie, wie Sie in fünf Schritten einen Plan erstellen, der in eine Seite passt und trotzdem trägt.
Was ein Karriereplan ist und was nicht
Ein Karriereplan ist eine schriftliche Übersicht über Ihr berufliches Ziel, die Etappen dorthin und die Fähigkeiten, die Sie dafür aufbauen wollen. Er ist kein starrer Fahrplan, sondern ein Arbeitsdokument, das Sie regelmäßig anpassen.
Er ist auch nicht nur etwas für Menschen, die in die Führung wollen. Fachkarrieren, ein Wechsel in Teilzeit, eine Spezialisierung oder der Schritt in die Selbstständigkeit lassen sich genauso planen.
Schritt 1: Ausgangslage festhalten
Beginnen Sie mit einer nüchternen Bestandsaufnahme. Beantworten Sie schriftlich:
- Welche Position haben Sie heute, mit welchen Aufgaben und welcher Verantwortung?
- Welche Fähigkeiten setzen Sie regelmäßig ein, und welche davon beherrschen Sie besonders gut?
- Welche Qualifikationen, Zertifikate und Abschlüsse haben Sie?
- Was gefällt Ihnen an Ihrer aktuellen Arbeit, was nicht?
- Welches Feedback haben Sie in den letzten Mitarbeitergesprächen bekommen?
Der letzte Punkt wird oft vergessen, ist aber wertvoll. Das Feedback anderer zeigt, wie Sie wahrgenommen werden, und das kann von Ihrer Selbsteinschätzung abweichen. Wer seine Stärken noch klarer benennen möchte, findet im Beitrag zu den Stärken in der Bewerbung hilfreiche Anregungen.
Schritt 2: Das Ziel formulieren
Ein gutes Karriereziel ist konkret genug, um daraus Schritte abzuleiten, aber offen genug, um verschiedene Wege zuzulassen. „Erfolgreich sein“ ist zu vage. „In fünf Jahren Abteilungsleiterin bei Firma X“ ist so eng, dass es an einer einzigen Personalentscheidung hängt.
Besser ist eine Formulierung, die Rolle, Inhalt und Rahmen verbindet:
„In drei bis vier Jahren leite ich ein kleines Team im Controlling eines mittelständischen Industrieunternehmens, arbeite überwiegend mit Daten und Reporting und habe mindestens einen Tag pro Woche Homeoffice.“
Viele Ratgeber empfehlen die SMART-Kriterien: spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch, terminiert. Für ein großes Karriereziel ist das manchmal zu streng. Wenden Sie SMART vor allem auf die Etappen an, nicht zwingend auf das Fernziel.
Wenn Sie noch nicht wissen, wohin es gehen soll, starten Sie mit einem Richtungsziel: „mehr Verantwortung für Projekte“, „mehr Kontakt mit Menschen“, „mehr Arbeit mit Technik“. Ein Berufseignungstest oder ein Gespräch in der Berufsberatung kann helfen, daraus ein konkretes Ziel zu machen. In Deutschland ist die Berufsberatung im Erwerbsleben der Bundesagentur für Arbeit für Berufstätige kostenlos.
Fachkarriere oder Führungskarriere?
Eine Grundsatzfrage, die früh in den Plan gehört. Viele Unternehmen bieten neben der klassischen Führungslaufbahn inzwischen Fach- oder Projektlaufbahnen an, in denen Sie Verantwortung und Gehalt steigern, ohne disziplinarisch Personal zu führen.
Fragen, die bei der Entscheidung helfen:
- Gibt Ihnen ein gelöstes Fachproblem mehr Befriedigung als ein gut laufendes Team?
- Wie gehen Sie mit Konflikten zwischen Menschen um, ziehen Sie sich zurück oder sprechen Sie sie an?
- Wollen Sie Ihr Fachwissen vertiefen oder lieber ein breiteres Feld überblicken?
- Wie viel Ihres Arbeitstags möchten Sie in Abstimmungen und Gesprächen verbringen?
Fragen Sie auch in Ihrem Unternehmen nach, welche Laufbahnmodelle es gibt. Eine Fachkarriere ist dort, wo sie formal verankert ist, oft leichter planbar als in Firmen, in denen der Aufstieg nur über Führung führt. Wer zur Führung tendiert, kann sich vorab mit einem Führungsstil-Test ein erstes Bild machen.
Schritt 3: Lücke zwischen heute und Ziel bestimmen
Vergleichen Sie Ihre Ausgangslage mit dem Ziel. Was fehlt? Typische Lücken sind:
- Fachwissen: etwa Kenntnisse in Bilanzierung, einer Programmiersprache oder Arbeitsrecht
- Formale Qualifikation: ein Abschluss oder Zertifikat, das in Stellenanzeigen regelmäßig verlangt wird
- Erfahrung: zum Beispiel Projektleitung, Budgetverantwortung oder Führung
- Sichtbarkeit: Entscheider im Unternehmen kennen Ihre Arbeit nicht
- Netzwerk: Ihnen fehlen Kontakte in die Zielbranche oder Zielabteilung
Ein schneller Weg, die Lücke zu erkennen: Suchen Sie zehn Stellenanzeigen für Ihre Zielposition und markieren Sie alle Anforderungen, die mehrfach auftauchen. Was Sie noch nicht erfüllen, kommt auf die Liste.
Schritt 4: Etappen und Maßnahmen planen
Jetzt zerlegen Sie den Weg in Etappen. Für jede Etappe legen Sie fest, was Sie tun, bis wann und woran Sie merken, dass Sie es geschafft haben.
Maßnahmen können sehr unterschiedlich sein:
- Lernen: Kurse, berufsbegleitende Weiterbildung, Fachliteratur, Zertifikate
- Erfahrung sammeln: Projekte übernehmen, Vertretungen anbieten, Stellenrotation
- Sichtbar werden: Ergebnisse präsentieren, im Mitarbeitergespräch Ziele ansprechen
- Netzwerk aufbauen: Fachveranstaltungen, Berufsverbände, Gespräche mit Menschen in der Zielposition
- Wechsel vorbereiten: Unterlagen aktualisieren, Bewerbungen gezielt platzieren
In Deutschland bietet die Bundesagentur für Arbeit mit New Plan ein kostenloses Online-Tool, das auf Basis Ihrer Erfahrung passende Weiterbildungen und Entwicklungsmöglichkeiten vorschlägt. Unterstützung bei Kosten für Weiterbildung ist je nach Situation über die Agentur für Arbeit oder über Ihren Arbeitgeber möglich.
Schritt 5: Regelmäßig überprüfen
Ein Karriereplan, der in der Schublade liegt, nützt nichts. Setzen Sie sich feste Termine:
- Quartalsweise (15 Minuten): Habe ich die geplanten Maßnahmen umgesetzt? Was hat sich verändert?
- Jährlich (eine Stunde): Passt das Ziel noch? Stimmen die Etappen? Was nehme ich mir fürs nächste Jahr vor?
Ein guter Zeitpunkt für die jährliche Überprüfung ist die Woche vor dem Mitarbeitergespräch. Dann können Sie Ihre Wünsche direkt ansprechen.
Beispiel: ein ausgefüllter Karriereplan
Person: Markus, 29, Sachbearbeiter in der Kreditorenbuchhaltung eines Logistikunternehmens in Hannover
Ausgangslage: Vier Jahre Berufserfahrung, Ausbildung zum Industriekaufmann, sicher in SAP FI und Excel, gutes Feedback zu Genauigkeit und Zuverlässigkeit. Kritik im letzten Gespräch: tritt in Meetings zu zurückhaltend auf. Ihm gefällt die Arbeit mit Zahlen, die reine Belegerfassung langweilt ihn zunehmend.
Ziel (in vier Jahren): Position als Controller mit Schwerpunkt Reporting, idealerweise im eigenen Unternehmen, alternativ bei einem anderen Mittelständler in der Region.
Lücke: Kein Abschluss mit Controlling-Bezug, keine Erfahrung mit Kostenrechnung und Reporting-Tools, wenig Sichtbarkeit bei der Controlling-Abteilung, Präsentationsstärke ausbaufähig.
| Etappe | Maßnahme | Zeitraum | Erfolgskriterium |
|---|---|---|---|
| 1 | Im Mitarbeitergespräch Interesse am Controlling äußern, Mitarbeit an Monatsabschluss anbieten | Quartal 1 | Zusage für Mitarbeit an einem Abschlussprojekt |
| 2 | Online-Kurs Power BI abschließen, ersten Bericht für die eigene Abteilung bauen | Quartal 1–2 | Bericht wird im Team genutzt |
| 3 | Berufsbegleitende Weiterbildung mit Controlling-Schwerpunkt beginnen, Förderung prüfen | ab Quartal 3 | Anmeldung erfolgt, Finanzierung geklärt |
| 4 | Zwei Präsentationen im Abteilungsmeeting übernehmen | Jahr 1–2 | Positive Rückmeldung der Teamleitung |
| 5 | Weiterbildung abschließen, Gespräch über Wechsel ins Controlling | Jahr 3 | Interne Stelle oder Bewerbungen extern |
| 6 | Position als Controller | Jahr 3–4 | Arbeitsvertrag |
Was den Plan funktionieren lässt: Jede Etappe ist so klein, dass Markus sie neben dem Job schaffen kann. Und schon die ersten Schritte verbessern seine Position, auch wenn sich das Ziel später ändert.
Vorlage für Ihren eigenen Plan
Übertragen Sie diese Fragen auf eine Seite:
- Heute: Position, Aufgaben, Stärken, Qualifikationen, Feedback
- Ziel: Rolle, Inhalt, Rahmenbedingungen, Zeitraum
- Lücke: Was fehlt an Wissen, Qualifikation, Erfahrung, Sichtbarkeit, Netzwerk?
- Etappen: drei bis sechs Schritte mit Maßnahme, Zeitraum und Erfolgskriterium
- Überprüfung: Termine für Quartals- und Jahresrückblick
Häufige Fehler bei der Karriereplanung
- Nur den Jobtitel planen: Ein Titel sagt wenig darüber, ob Ihnen die Arbeit gefällt.
- Zu viele Maßnahmen gleichzeitig: Zwei bis drei aktive Baustellen sind neben dem Job realistisch.
- Werte ignorieren: Wer Sicherheit braucht, wird mit einem Plan, der auf Start-ups setzt, nicht glücklich. Der kostenlose Karrierewerte-Test hilft, das zu klären.
- Nicht darüber sprechen: Führungskräfte können nur fördern, was sie kennen.
- Den Plan nie anpassen: Ein Ziel aufzugeben, das nicht mehr passt, ist kein Scheitern.
Steht in Ihrem Plan ein Wechsel an, kommen früher oder später Auswahlverfahren mit Tests und Interviews. Das Bewerbungstraining mit Interviewfragen und allen Tests bereitet Sie darauf vor. Grundsätzliche Überlegungen zur Laufbahnwahl finden Sie im Beitrag Wie Sie den richtigen Karriereweg wählen.
Häufige Fragen
Wie weit sollte ein Karriereplan in die Zukunft reichen?
Bewährt haben sich drei bis fünf Jahre für das übergeordnete Ziel und konkrete Etappen für die nächsten zwölf Monate. Längere Zeiträume lassen sich kaum seriös planen.
Wie oft sollte ich meinen Karriereplan überprüfen?
Mindestens einmal im Jahr, zum Beispiel vor dem Mitarbeitergespräch. Bei größeren Veränderungen wie Umstrukturierung, Elternzeit oder Jobwechsel sollten Sie ihn zusätzlich anpassen.
Sollte ich meinen Karriereplan mit meiner Führungskraft teilen?
Teilweise. Ziele innerhalb des Unternehmens wie eine Fachkarriere oder Führungsverantwortung sollten Sie ansprechen, damit Ihre Führungskraft Sie unterstützen kann. Pläne für einen Arbeitgeberwechsel behalten Sie besser für sich.
Was mache ich, wenn ich kein klares Karriereziel habe?
Dann beginnen Sie mit einem Richtungsziel statt einem Jobtitel, etwa „mehr Verantwortung für Projekte“ oder „mehr Arbeit mit Daten“. Ein Berufseignungs- oder Wertetest und eine Berufsberatung können helfen, das Ziel zu schärfen.
Gehört das Gehalt in den Karriereplan?
Ja, als eines von mehreren Zielen. Legen Sie fest, welche Gehaltsspanne Sie in welchem Zeitraum anstreben, und prüfen Sie diese anhand von Gehaltsvergleichen für Ihre Branche und Region.
Über den Autor
Ingmar van Maurik ist Spezialist für die Vorbereitung auf Einstellungstests und Vorstellungsgespräche und unterstützt Bewerberinnen und Bewerber dabei, in Auswahlverfahren besser abzuschneiden.
