EY Interview-Fragen & Antworten
Einleitung
EY (Ernst & Young) zählt zu den Big Four und bietet Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Consulting und Strategieberatung (EY-Parthenon) an. Das Auswahlverfahren ist klar strukturiert – und genau deshalb gut planbar. Wer weiß, welche Fragen kommen, und eigene Beispiele parat hat, verschafft sich einen echten Vorsprung. In diesem Artikel finden Sie den typischen Ablauf, häufige Interview-Fragen mit ausformulierten Beispielantworten und konkrete Tipps für das Online-Assessment.
Über EY
EY ist weltweit tätig und im deutschsprachigen Raum breit aufgestellt: In Deutschland gehören Standorte wie Stuttgart, Frankfurt/Eschborn, München, Düsseldorf, Berlin und Hamburg zu den größten, dazu kommen Wien und Zürich. Der Purpose "Building a better working world" ist mehr als ein Slogan – im Interview wird durchaus gefragt, was Sie darunter verstehen und wie Sie selbst Wirkung erzielt haben.
Gesucht werden Menschen, die analytisch arbeiten, verständlich kommunizieren und Verantwortung übernehmen. Consulting- und Strategie-Rollen beinhalten oft Case Studies; in Prüfung und Steuern dominieren Verhaltens- und Situationsfragen. Inklusion und Vielfalt nimmt EY ernst – rechnen Sie mit Fragen dazu, wie Sie in heterogenen Teams arbeiten.
Der Bewerbungsprozess bei EY
Der typische Ablauf:
- Online-Bewerbung – Lebenslauf, Zeugnisse, je nach Position ein Motivationsschreiben. Präzision zählt: EY prüft später beruflich Zahlenwerke, Ihr Lebenslauf sollte fehlerfrei sein.
- Online-Assessment – Situative oder spielbasierte Testverfahren, teils klassische numerische und logische Aufgaben.
- Erste Gesprächsrunde – Ein bis zwei Interviews mit HR und Fachbereich: Verhaltensfragen, Situationsfragen, im Consulting eine Case Study.
- Zweite Gesprächsrunde – Gespräche mit Senior Managern oder Partnern, oft mit Fokus auf Motivation und langfristige Passung. An manchen Standorten gibt es stattdessen einen halbtägigen Auswahltag mit mehreren Stationen.
- Angebot – Insgesamt dauert der Prozess meist 2–4 Wochen.
Die einzelnen Gespräche dauern in der Regel 45–60 Minuten. Typisch für EY: Nachfragen zu Ihrem konkreten Beitrag. Sagen Sie nicht "wir haben", wenn Sie "ich habe" meinen. Planen Sie außerdem für jedes Gespräch zwei bis drei eigene Fragen ein – die letzten Minuten gehören Ihnen, und ein Kandidat ohne Fragen wirkt schnell uninteressiert. Notieren Sie sich direkt nach jedem Gespräch, was gefragt wurde: In der nächsten Runde tauchen ähnliche Themen oft wieder auf, und konsistente Antworten zählen.
Häufige Fragen und Beispielantworten
Erzählen Sie von einer Situation, in der Sie etwas nachhaltig verbessert haben
Beispielantwort (STAR): In meinem Werkstudentenjob kostete das monatliche Reporting jedes Mal fast zwei Tage, weil Daten aus drei Systemen manuell zusammengeführt wurden. Ich habe die Schritte dokumentiert, die häufigsten Fehlerquellen identifiziert und eine Vorlage mit automatisierten Abgleichen gebaut. Der Aufwand sank auf einen halben Tag, und die Vorlage wurde vom ganzen Team übernommen – auch nach meinem Weggang. Ich habe gelernt, dass kleine strukturelle Verbesserungen mehr bewirken als punktueller Mehreinsatz.
Erzählen Sie von einer Situation, in der Sie Inklusion gefördert haben
Beispielantwort (STAR): In einer Projektgruppe an der Uni fiel mir auf, dass zwei Mitglieder in den Meetings kaum zu Wort kamen – nicht aus Desinteresse, sondern weil andere schneller waren. Ich habe vorgeschlagen, Tagesordnungspunkte vorab zu verschicken und reihum um Einschätzungen zu bitten. Plötzlich kamen Ideen auf den Tisch, die vorher untergegangen wären; eine davon wurde zentral für unser Ergebnis. Mein Fazit: Inklusion passiert nicht von allein – man muss Formate bewusst so gestalten, dass alle beitragen können.
Warum EY?
Beispielantwort: Mich überzeugt die Kombination aus fachlicher Tiefe und dem klaren Purpose. "Building a better working world" heißt für mich konkret: Arbeit, die bei Mandanten und im Markt Vertrauen schafft. Dazu kommt die Breite an Branchen und Themen, die ich als Einsteiger sehen kann, und die strukturierte Förderung – vom Mentoring bis zur Unterstützung bei Berufsexamina. Ich habe auf einer Recruiting-Veranstaltung mit EY-Mitarbeitenden gesprochen, und die Offenheit, mit der dort über Lernkurven und auch über stressige Phasen geredet wurde, fand ich glaubwürdig.
Was sind Ihre Stärken?
Beispielantwort: Erstens: strukturiertes Arbeiten. Ich gehe Probleme systematisch an und dokumentiere nachvollziehbar – das hat mir in Praktika mehrfach Lob eingebracht. Zweitens: Ich hole andere ab. In Teams achte ich darauf, dass Entscheidungen für alle transparent sind. Drittens: Lernbereitschaft. Ich arbeite mich schnell in neue Themen ein und frage lieber früh nach, als lange in die falsche Richtung zu laufen. Meine Baustelle: Ich will Dinge manchmal zu perfekt machen und übe, den Aufwand am tatsächlichen Nutzen auszurichten.
Erzählen Sie von einer Situation, in der Sie sich schnell in ein neues Thema einarbeiten mussten
Beispielantwort (STAR): Im Praktikum wurde ich kurzfristig einem Projekt zur Umsatzsteuer im E-Commerce zugeteilt – ein Feld, von dem ich wenig wusste. Ich habe mir zuerst einen Überblick über die Grundlagen verschafft, dann gezielt Fragen an die erfahrene Kollegin gestellt und meine Zwischenergebnisse früh gegenchecken lassen. Nach zwei Wochen konnte ich Zuarbeiten eigenständig übernehmen. Gelernt habe ich: Schnelles Einarbeiten heißt nicht, alles allein herauszufinden – sondern die richtigen Fragen zur richtigen Zeit zu stellen.
Wie gehen Sie mit Termindruck um?
Beispielantwort: Ich priorisiere zuerst: Was muss zwingend heute fertig werden, was kann warten? Dann kommuniziere ich früh, wenn ich sehe, dass eine Deadline eng wird – das gibt allen Beteiligten Handlungsspielraum. In der Prüfungssaison meines Praktikums habe ich so gelernt, in Stoßzeiten konzentriert zu bleiben: klare Tagesziele, kurze Abstimmungen, keine Nebenschauplätze. Druck macht mich eher fokussierter als nervöser – solange die Prioritäten geklärt sind.
Typische Fehler – und wie Sie sie vermeiden
Diese Stolpersteine sehe ich bei EY-Bewerbungen am häufigsten:
- Der Purpose wird nachgeplappert statt verstanden. "Building a better working world" nur zu zitieren, bringt nichts. Überlegen Sie sich vorab, was der Satz für Ihre konkrete Zielrolle bedeutet – etwa verlässliche Abschlüsse, denen der Kapitalmarkt vertrauen kann.
- Beispiele ohne Ergebnis. Viele Kandidaten erzählen Situationen und Handlungen, vergessen aber das messbare Resultat. Jede STAR-Geschichte braucht ein Ende mit Zahlen oder klarer Wirkung.
- Unklarheit über den Bereich. Consulting, Assurance, Tax und Strategy and Transactions sind sehr verschiedene Welten. Wer die Unterschiede nicht erklären kann, wirkt beliebig.
- Nervosität durch fehlendes Testtraining. Das Online-Assessment ist die erste echte Hürde – gehen Sie nicht unvorbereitet hinein.
Gute Fragen an die Interviewer
Eigene Fragen zeigen Interesse und liefern Ihnen echte Entscheidungsgrundlagen:
- "Welche Art von Mandaten betreut Ihr Team hier am Standort überwiegend?"
- "Wie sieht Mentoring bei Ihnen konkret aus – wer begleitet mich im ersten Jahr?"
- "Was unterscheidet Kolleginnen und Kollegen, die sich hier schnell entwickeln, von denen, die stagnieren?"
- "Wie verändert der Einsatz von KI-Tools gerade die Arbeit in Prüfung und Beratung?"
Notieren Sie sich zwei bis drei dieser Fragen – am Ende eines 60-Minuten-Gesprächs vergisst man sonst die Hälfte.
Assessment-Vorbereitung
EY nutzt im Auswahlverfahren Online-Assessments – situativ, spielbasiert oder klassisch. Viele Bewerbungen scheitern an diesem Schritt, nicht am Gespräch. Entsprechend lohnt sich die Vorbereitung:
- Trainieren Sie numerisches Denkvermögen: Diagramme lesen, Prozentrechnung, Dreisatz – alles unter Zeitdruck.
- Üben Sie logisches Denken mit Matrizen-Aufgaben, wie sie in vielen Testverfahren vorkommen.
- Für Consulting und EY-Parthenon: Case Studies laut üben, am besten mit Feedback von einer zweiten Person.
- Bereiten Sie häufige Bewerbungsfragen mit der STAR-Methode vor.
Welcher Testtyp auf Sie zukommt, hängt vom Bereich ab – einen Überblick bietet Assessment-Training.com.
Gehalt und Erwartungen
Wie bei allen Big Four hängt das Gehalt von Bereich, Standort und Qualifikation ab. In Deutschland bewegen sich Einstiegsgehälter laut Gehaltsportalen typischerweise zwischen 45.000 und 55.000 Euro jährlich; im Consulting und bei EY-Parthenon liegt der Einstieg höher. Mit Examen oder auf Senior-Level steigt die Vergütung spürbar, Manager erreichen sechsstellige Pakete. Schweizer Gehälter liegen nominal deutlich darüber, österreichische meist leicht darunter. Dazu kommen Examensförderung, Weiterbildung und flexible Arbeitsmodelle. Sprechen Sie Gehaltsdetails erst an, wenn ein Angebot konkret wird – vorher zählt Ihre fachliche Story.
FAQ
Wie lange dauert der Bewerbungsprozess bei EY?
Meist 2–4 Wochen: Bewerbung, Online-Assessment, dann ein bis zwei Gesprächsrunden von 45–60 Minuten. Auswahltage können den Prozess verdichten.
Worauf achtet EY bei Bewerbern?
Problemlösung, Kommunikation, Teamfähigkeit und Wertepassung – Integrität und Inklusion eingeschlossen. Im Consulting zusätzlich die Leistung in der Case Study.
Was ziehe ich zum Vorstellungsgespräch an?
Business-Kleidung. Anzug oder Kostüm ist die sichere Wahl, auch wenn der Arbeitsalltag mancher Teams legerer ist.
Welche Fragen stellt EY im Interview?
Motivationsfragen, Verhaltensfragen zu Verbesserung, Teamarbeit und Lernfähigkeit – im Consulting zusätzlich Cases. Antworten Sie strukturiert nach der STAR-Methode.
Fazit
Das EY-Interview belohnt Vorbereitung: Wer den Purpose versteht, eigene Beispiele nach der STAR-Methode strukturiert und im Online-Assessment sicher abschneidet, hat sehr gute Karten. Wählen Sie drei bis fünf Erlebnisse aus Studium, Praktika oder Job, die Verbesserung, Teamarbeit und Lernfähigkeit zeigen – und üben Sie die Testformate vorab, damit der erste Auswahlschritt nicht zur Hürde wird.
Über den Autor
Ingmar van Maurik ist Experte für Karriere- und Assessment-Vorbereitung und hilft Kandidaten, ihre Interview- und Testergebnisse zu verbessern.
